Wie sieht der Blick in die Zukunft eigentlich aus….? Nein, das ist kein Politblog, aber der langjährige Leser weiß: Manchmal wird es hier doch ein bisschen politisch. Denn natürlich sind auch das Themen, die mich bewegen. Momentan bewegt mich am meisten meine eigene Bewegung. Denn am kommenden Sonntag sind Wahlen und ich erwische mich dabei, wie ich auf einmal daran denke, „radikaler“ zu wählen. Warum? Weil ich glaube, es muss sich etwas verändern. Und während ich so darüber nachdenke, merke ich, wie sehr ich mich verändert habe.

Zu Beginn meiner „Wahlzeit“ mit Anfang 20 habe ich, wie soll ich sagen, profitorientiert gewählt. Für meinen eigenen Profit nämlich. Als Studentin der Betriebswirtschaft habe ich natürlich gedacht, wenn ich dieses Studium erst einmal beendet habe, dann verdiene ich bestimmt das richtig dicke Geld. Habe eine eigene Wohnung, ein eigenes Auto und verdiene ganz ordentlich. Ist jetzt nicht so, als hätte ich im Studium mit zwei Auslandspraktika und ordentlichem Studienabschluss nicht den Grundstein dafür gelegt. Aber was kam? Erst einmal eine ganze Menge Bewerbungen und dann konnte ich noch froh sein direkt mit einem Job zu starten und nicht mit einem weiteren Praktikum den Berufseinstieg zu wagen. Der Job war mies bezahlt, gearbeitet habe ich eine ganze Menge und gewohnt habe ich wieder in einer WG. Gefahren bin ich kein Auto sondern Fahrrad – war billiger als Öffis. Ja, ich gehöre der sogenannten Generation Praktikum an und da habe ich zum ersten Mal begonnen zu zweifeln. Zu zweifeln, ob das hier alles so richtig läuft.

Gute zehn Jahre später hatte man sich endlich genug Überstunden um die Ohren gehauen um eine anständige Position zu bekleiden mit ganz guter Bezahlung. Wäre es nicht genau jetzt Zeit für die Profitorientierung? Für den Gedanken „Und wie kriege ich das größte Stück vom Kuchen ab?“

Natürlich, und davon kann sich wohl kaum einer freisprechen, denkt wohl jeder erst einmal in seinem Mikrokosmos. Das ändert sich auch als Eltern nicht, denn das Wichtigste ist ja, dass es den Kinder gut geht. Der Satz „Unseren Kindern soll es mal besser gehen!“ ist zwar uhlenalt und irgendwie längst überholt, aber klar möchten wir für unsere Kinder das Beste. Ist das aber eigene maximale Gewinnmaximierung? Oder ist das ein Morgen, bei dem wir alle in unsere Taschen greifen müssen. In die gefüllteren sogar ein bisschen mehr?

Mir persönlich liegen Themen am Herzen wie kostenfreie Kinderbetreuung bundesweit. Ich finde die aktuelle Situation hier nicht tragbar. Nicht nur für die Kinder, sondern für die zumeist gut ausgebildeten Mütter, die auf einmal in eine Abhängigkeit geraten. Eine Abhängigkeit vom Partner und schlimmstenfalls irgendwann vom Staat, weil Dinge wie Altersarmut einfach die zu befürchtende Folge von jahrelang eingeschränkter Berufstätigkeit ist. Ist diese Ansicht zu radikal?

Ich bin für ein Muss in Fragen der erneuerbaren Energien. Ich kann einfach nicht glauben, dass auf der einen Seite von den schlimmsten Klimakatastrophen berichtet wird, aber sich auf deutschen Autobahnen nicht mal ein Tempolimit durchsetzen lässt. Das finde ich ehrlich gesagt zum Kotzen. Zu radikal?

Als Mutter von zwei Kinder kann ich mir gar nicht vorstellen, WIE schlimm eine Situation sein muss, dass ich mich mit diesen beiden Kindern in ein Boot wie eine Nussschale begebe um über das offene Meer in ein fremdes Land zu flüchten. Mein eigenes Leben und das meiner Kinder zu gefährden, um irgendwie zu überleben. Wenn ich diese Not sehe, kann ich nicht begreifen, dass sich nicht alle europäischen Länder ihrer Verantwortung in der Flüchtlingsfrage stellen. Ich kann nicht nachvollziehen wie Menschen in Länder wieder abgeschoben werden dürfen, die nicht sicher sind. Das macht mich traurig, sehr traurig. Und zu radikal?

Ich für mich bin in jedem Fall an einen Punkt gekommen, wo mich das Morgen mehr interessiert als das Heute in meiner Tasche. Denn auch wir sind Eltern jetzt, und haben ein Kind in diese Welt gesetzt.